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Anmerkung des Autors: Diese Kurzgeschichte wurde inpiriert von der Legende des Riesen vom Traunstein und der Seefrau vom Laudachsee. Der Blogpost zuvor ‚The Giant and the Lakemaid‘ erzählt die gleiche Geschichte auf englisch.

Vor langer Zeit ragte ein wunderschöner Berg über einer grünen Landschaft und einem tiefen blauen See empor. Dort wuchsen Wälder und erstreckten sich Felder, Bäche und Hügel. Den besten Blick hatte man vom Gipfel des Berges aus und dort lebte ein sanfter Riese, der über all die Tiere unter sich wachte. Er war so groß wie ein Baum und hatte große grüne Augen. Er war ihr stummer König und sah hinab auf die Wölfe und Hirsche im Wald, die Eulen und Eichhörnchen in den Baumkronen, die Hasen und Füchse auf den Feldern, die Wildkatzen und Mäuse auf den Hügeln und die Falken und Spatzen am Himmel. Es war eine friedliche Herrschaft und Frühling, Sommer, Herbst und Winter bestimmten die Leben und Schicksale aller.

Ein Ort, über den sich der Riese immer wunderte, war der tiefe blaue See, der sich durch sein Königreich erstreckte und in der Sonne glitzerte. Seine Augen, die in seinem grünen Reich alles sehen konnten, waren nicht im Stande das blaue Nass zu durchdringen.

Eines Morgens, an einem schönen Frühlingstag, hörte er ein süßes Lachen, das vom See kam. Er wusste nicht wem diese Stimme gehörte, aber es war der schönste Klang, den er je vernommen hatte.

So erhob er sich von seinem Gipfel und leise spazierte er durch Wälder, Felder und Hügel bis er den blauen See erreichte. Dort an den Ufern, spielten Kreaturen, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Wundersame Frauen mit langem Haar und Augen so blau wie der See. Sie hatten keine Beine, sondern Schwänze wie Fische deren Schuppen blau, grün und silbern schimmerten. Die Schönste von ihnen hatte goldenes Haar und sie war jene die so süß gelacht hatte und das Herz des Riesen berührt hatte.

‚Wer sind diese schönen Kreaturen?‘ Fragte der Riese einen kleinen Spatzen, der neben ihm auf einem Ast saß.

‚Natürlich die Seefrauen, eure Majestät. Hier am See kennen sie alle. Im Sommer kommen sie aus ihren blauen Wassern. Aber wenn der See im Winter zufriert, dann gehen sie mit ihrem See schlafen. Aber im Frühling sind sie wieder da, um erneut zu spielen und zu lachen.‘

Der Riese dankte dem Spatzen und lächelte. Er trat aus dem Schatten des Waldes hervor und näherte sich den Seefrauen. Sie sahen ihn verängstigt an, denn sie hatten noch nie einen Riesen gesehen. Zwei von ihnen stürmten zurück in die Tiefe des Sees, aber jene mit dem goldenen Haar sah ihn neugierig an. Sie hatte keine Angst.

‚Wer bist du?‘ Fragte sie mit einer Stimme, süßer als jede Frucht des Waldes.

Und der Riese erzählte ihr, dass er der Beschützer und König des Berges, der Wälder, der Felder, der Hügel und des Sees war. Überrascht sah sie ihn wieder an.

‚Ich wusste nicht, dass ich einen König habe. Mein zu Hause war schon immer der See.‘

‚Natürlich war er das. Und so ein wunderschöner See ist es. So blau! Fast so schön wie du!‘ Sagte der Riese und die Seefrau lachte und es war der süßeste Anblick, den der Riese je gesehen hatte, schöner als sein Berg und Königreich zusammen am klarsten aller Tage.

So geschah es, dass der Riese jeden Tag von seinem Berg herabstieg und mit der goldenen Seefrau redete und lachte. Sie wartete bereits bei Sonnenaufgang an den Ufern des Sees auf ihn. Sie konnte es nicht abwarten ihn zu sehen. Ihre Schwestern, die anderen Seefrauen, warnten sie. Einige auf Grund von Eifersucht, denn sie hatten ihre Schönheit schon immer beneidet, andere aus wahrer Sorge und Liebe zu ihrer Schwester.

‚Gib dein Herz nicht so einfach her!‘ Sagten sie ‚Dein Herz gehört dem See und der See ist dein zu Hause und dein Leben.‘

Aber die goldene Seefrau wollte nicht zuhören, denn wer hört den schon zu, wenn man verliebt ist?

Am Ende des Frühlings konnten es auch all die anderen Tiere sehen. Der Riese und die Seefrau waren verliebt. Er brachte ihr Edelsteine und Juwelen vom Berg und sie sang für ihn an den Ufern des Sees. Manchmal hielten sie Hände und beobachteten die Strahlen der Sonne, wie sie über das Wasser tanzten. Ihre kühle weiße Hand in seiner großen braunen Hand. Beide wollten zusammen sein.

Der Riese entschloss sich seiner Seefrau ein Schloss zu bauen, dass an den Ufern des Sees stehen sollte. Wunderschön und weiß wie der Berg selbst sollte es sein. Der König stieg in den Berg hinab, denn er konnte das Schloss nicht allein bauen. Dort, unter dem Berg, lebte sein Cousin, der König der Zwerge. Er regierte über die Unterwelt und die tiefen Höhlen. Dort erstreckten sich wunderbare Untergrund- Paläste, gehauen aus Stein und Marmor, dekoriert mit den wertvollsten Diamanten. Wenn jemand dem Riesen helfen konnte, dann waren es die Zwerge, die größten Baumeister aller Zeiten. Der Riese erzählte dem Zwergenkönig von seiner Liebe und er war einverstanden ihm zu helfen. Schnell kamen die Zwerge mit ihm an die Ufer des Sees und begannen ihre Arbeit für den Riesen und seiner Geliebten.

Die Tiere waren überwältigt von der schnellen Arbeit der Zwerge. Innerhalb von sieben Tagen war das wunderschöne grau- weiße Schloss fertig. Es hatte hohe Mauern, große Räume, Fenster, die auf den See hinaussahen und vier hohe Türme, welche die vier Jahreszeiten darstellten, an die alle Kreaturen des Königreiches gebunden waren. Dankbar verabschiedete sich der Riese von seinem Cousin und den Zwergen. Erleichtert gingen sie zurück in den Untergrund, denn sie waren an so viel Sonnenlicht und dessen Wärme nicht gewohnt.

Aufgeregt stand der Riese vor seinem Schloss und war bereit es zu erkunden, aber bei dem Tor bemerkte er, dass er zu groß war! Die Zwerge hatten das Schloss für kleinere Wesen erbaut, wie sie selbst oder die Seefrau. Aber der König hatte eine Idee.

Er wanderte tief in den Wald hinein, vorbei an den Hirschen und Wölfen, die vor ihm den Kopf senkten, doch er war in Eile. Er suchte die große uralte Eiche im Zentrum des Waldes auf. Manche sagen, dass dieser Baum schon lange vor dem Berg und dem See hier war. Im Schatten, diesem König der Eichen, lebte der Geist des Waldes. Der Riese näherte sich dem Baum vorsichtig, kniete nieder, denn auch als König, konnte er die große und uralte Magie an diesem Ort spüren. Es war ein wunderschöner Baum, dessen Äste sich weit und breit erstreckten und deren Blätter grün waren und wundersame Melodien im Wind flüsterten. Der Riese sah sich um und wartete auf den Geist. Es herrschte Stille. Keine Vögel flogen umher, einzig und allein flüsterten die Blätter. Dann, aus dem Schatten, erschien ein wunderschönes Wesen. Es war der Geist des Waldes. Ihre Haut war hellgrün, ihre Augen bernsteinfarben, ihr Haar war lang und dunkelbraun wie die Rinde der Eiche. Ihr Kleid waren Blätter, die sich an ihren Körper schmiegten und schienen eins mit der Erde unter ihr zu sein. Sie ging elegant, wie ein Blatt im Wind, als ob sie nichts halten könnte. Auf ihrem schönen Haupt ruhte eine Krone aus grauen Ästen und goldenen Blättern. Sie war nicht nur Geist des Waldes, sondern auch Königin über alles was Grün war.

Der Riese senkte den Kopf und der Geist lächelte und das Gras unter ihr und die Blätter über ihr begannen zu wachsen. Leben um sie herum erblühte.

‚Es ist schön dich zu sehen, König des Berges, Beschützer des Waldes, der Hügel und der Felder. Aber ich kann sehen, dass dein Herz schwer schlägt. Wie kann ich dir helfen?‘

Und der Riese erzählte ihr von seinem Kummer und wie er und die Seefrau sich danach sehnten zusammen zu sein, mehr als alles andere auf dieser Welt. Der Geist ging im Schatten der Eiche entlang und war verwundert. Sie war tief berührt von deren Liebe, aber auch besorgt.

‚Ich werde dir helfen, König der Riesen, aber ich werde dich auch warnen. Es liegt nicht in der Natur einer Seefrau ihren geliebten See zu verlassen. Sie könnte krank werden und schwinden.‘

Der Riese nickte traurig.

‚Sie weiß Bescheid. Die anderen Seefrauen haben sie gewarnt, aber sie hat ihre Entscheidung getroffen. Sie liebt mich und ich liebe sie. Und ich liebe sie so sehr. Jeden Tag bin ich aufs Neue überrascht, dass sie, so ein wildes Wesen, alles für mich aufgeben würde. Ich habe mit ihr über das Risiko geredet, aber ihr Wille ist frei und sie hat ihre Entscheidung getroffen. Ich kann ihr nicht sagen, was sie machen soll, selbst wenn uns Trauer auf unsere Entscheidung folgen wird. Die Hoffnung auf unsere Liebe ist größer und vielleicht, vielleicht schaffen wir es die Regeln der Natur zu beugen.‘

Der Geist sah den Riesen mit Bewunderung an. ‚Das ist tiefe und wertvolle Liebe, über die du redest. Vielleicht wird deine Liebe für sie und ihre Liebe zu dir wirklich die Kälte des Winters besiegen. Lass mich versuchen dir zu helfen.‘

Der Geist griff nach einem kleinen Ast, der vom Baum gefallen war, formte ihn und transformierte ihn in einen bronzenen Ring. Sie gab ihn dem Riesen und sagte ‚Dieser Ring wird dich in einen Menschen verwandeln, wenn du ihn drei Mal in deiner Hand drehst. Der Zauber wird so lange andauern wie du es wünscht. Aber sei gewarnt, in menschlicher Gestalt wirst du sterblich sein und nichts Menschliches überdauert die Ewigkeit. Ich befürchte eure Liebe wird ein zweischneidiges Schwert sein, Segen und Fluch zu gleich. Viel Glück, König des Berges. Du hast wahrlich das Herz eines Riesen.‘

Der Geist drehte sich zur großen Eiche und verschwand im Wind und deren Schatten. Ohne zu zögern drehte der Riese den Ring drei Mal in seiner Hand und er verwandelte sich in einen schönen jungen Mann mit grünen Augen und dunklem Haar. So schnell wie er konnte, rannte er zurück zum See und rief nach seiner Seefrau. Sie sah ihn an den Ufern, zog sich aus dem Wasser und ihre Flosse verwandelte sich in Beine in dem Moment, als sie den Boden des Waldes berührte. Sie umarmten einander, erfüllt von Liebe. Der junge Mann nahm seine wunderschöne Frau bei der Hand und zusammen gingen sie in das Schloss, dass er für sie gebaut hatte, und in dieser Nacht konnten sie wahrlich zusammen sein.

Der König und seine neue Königin gaben bekannt, dass sie eine wunderschöne Sommerhochzeit an den Ufern des Sees im Schatten der Bäume und des Schlosses veranstalten würden. Alle waren eingeladen. Die Schwestern der Seefrau sangen gemeinsam mit den Vögeln wundersame Lieder. Die kleinen Spinnen webten ein silbernes Kleid für ihre neue Königin, dass in der Sonne in allen Farben des Regenbogens glitzerte. Der Zwergenkönig kleidete seinen Cousin in goldenen und lila Gewändern, die Farben eines Königs. Die Hirsche, die Wölfe, die Wildkatzen und die Eichhörnchen staunten als sie ihren König und ihre Königin sahen. Alle Tiere des Waldes, der Felder, der Hügel und des Himmels kamen an diesem schönen Tag zusammen und wünschten dem Paar viel Glück. Sie feierten tief in die Nacht hinein mit Speisen, Musik und Freude. Alles war friedlich in dieser Sommernacht.

Den ganzen Sommer lang redeten die Tiere über diese zauberhafte Nacht und das glückliche Paar. Den ganzen Sommer lang, spazierte der König und die Königin durch den Wald, sie besuchten die Hügel, liefen über die Felder und bestiegen sogar zusammen den Berg. Sie waren verliebt. In diesem Sommer war alles im Überfluss vorhanden, der Wald war noch nie so grün und erblühte vor Leben. Als ob die Liebe des Riesen und der Seefrau sie alle beglücken würde. Jeder Tag und jede Nacht waren erfüllt von Sonnenlicht und Sternenlicht.

Aber jeder Sommer muss sein Ende finden. Die Tage wurden kürzer, das Licht schwächer, Wolken sammelten sich und die ersten Blätter färbten sich von grün zu gelb zu rot. Die Farben des Herbstes waren angekommen und leise begannen die Blätter zu fallen.

Das Schloss allerdings war immer noch warm und wunderbar. Der König und die Königin wurden von all ihren Freunden im Wald besucht. Aber nach jedem Abend, wenn sie die Gesellschaft ihrer Freunde hinter sich ließen, konnte die Königin Kälte in ihrer Brust verspüren. So still wie die fallenden Blätter aber sichtbar und zum Greifen nahe.

Und als die Tage immer dunkler wurden, die Schatten wuchsen und die Nächte kälter wurden, so begann die Königin in der Nacht zu zittern. Der König bemerkte ihre Schwäche sofort und umarmte sie in seinen starken Armen und hielt ihr kühles Gesicht in seinen warmen Händen.

‚Halt mich immer fest.‘ Flüsterte sie in der kalten Nacht.

‚Zusammen sind wir stark und werden diesen Winter überleben.‘ Sagte er und küsste sie sanft.

Und für einige Zeit waren sie wieder glücklich. Aber als alle Blätter gefallen waren und die Winde die Winterwolken ins Land führten, begaben sich die meisten Tiere in den Winterschlaf. Der Wald wurde still und so auch die Königin. Vom Schloss aus sah sie hinunter auf ihren See, der nun nicht mehr blau war, sondern grau und ruhig. Sie sehnte sich nach ihren Schwestern in der Tiefe, nach der kühlen Berührung des Wassers, welches sie in dieser kalten Zeit einschlafen ließ, um sie dann im Frühling wieder zu wecken. Doch wissend, hatte sie ihre Entscheidung getroffen und sie war nun die Königin des Schlosses und konnte nicht mehr zurück. Sie fror in all den Kleidern, die ihr die guten Spinnen gewoben hatten. Sie fühlte sich nur noch neben ihrem geliebten König warm. Erfüllt mit Schwäche fiel sie zu Boden und dann zitternd, konnte sie die ersten Schneeflocken fallen sehen. Ihr Geliebter hob sie behutsam vom Boden und trug sie zu ihrem Bett. Er versuchte ihr Essen zu geben, aber sie wollte nicht. Er versuchte sie beim Feuer zu wärmen, aber es war nicht genug. Nur wenn er neben ihr lag, sie umarmte, für einen Moment, konnte sie seine Liebe spüren und sie fühlte sich gewärmt. Das einzige, was sie trinken wollte, war das Wasser vom See. Für eine Zeit fühlte sie sich besser und für einige Zeit konnten die Liebenden den dunklen Winter vergessen und waren erneut glücklich.

Aber dann kamen die dunkelsten Tage des Winters und Schneestürme schlugen gegen die Mauern des Schlosses. Die Königin fror und der König war hilflos. Er eilte zu den Ufern des Sees, um ihr mehr Wasser zu bringen, doch der See war zugefroren. Voller Angst rannte er zurück zu seiner Geliebten. Er hatte sie noch nie so weiß gesehen. Ihr goldenes Haar schien wie die untergehende Sonne und sie sah ihn an, mit blauen Augen, erfüllt mit Liebe.

‚Ich fürchte, ich verlasse dich.‘ Flüsterte sie.

‚Ich fürchte, ich liebe dich mehr als alles auf der Welt.‘ Sagte er und küsste sie so sanft, es war wie die Wärme der Sonne auf ihrer Haut. Und für einen Moment sahen sie sich an und erinnerten sich an all die Sommertage und Sommernächte, die sie zusammen verbracht hatten. Es war der letzte Augenblick, in dem sie glücklich waren.

‚Bitte bringe mich zu meinem See. Ich möchte ihn noch ein letztes Mal sehen.‘

So nahm der König sie in seine Arme und trug sie an die Ufer des Sees, an die Stelle, an der sie sich nur ein paar Monde zuvor, zum ersten Mal gesehen hatten. Doch nun fühlte es sich wie eine Welt entfernt an. Der Sturm war vergangen und pures Sternenlicht glitzerte über den gefrorenen See. Es war eine mondlose Nacht. Die Königin wirkte wie ein wunderschöner Geist, nicht mehr Teil dieser Welt, sondern schon Teil einer anderen.

‚Ich will nicht, dass du gehst.‘ Sagte der König und seine Stimme war voll Schmerz, der tausend Jahre nachklingen sollte.

‚Ich wünschte, es wäre wieder Sommer.‘ Sagte die Königin und lächelte ein letztes Mal.

Einige Tiere des Waldes, die nicht im Winter schliefen, die Wölfe, die Hirsche, die Wildkatzen und die Eulen spürten ihre Trauer und kamen an die Ufer des Sees, ihre Augen voller Tränen.

Es tut mir so leid. Ich wünschte, du könntest leben.‘ Sagte der König und heiße Tränen vielen von seinen Wangen.

Die Königin berührte des Königs Gesicht mit ihrer kalten Hand und sagte ‚Sei nicht traurig. Wir haben mit der Liebe gespielt und Liebe ist alles was wir erhalten haben. Und das war alles was wir brauchten. Und jetzt ist es vorbei.‘

Mit der anderen Hand berührte sie den erstarrten See, sah ihren Geliebten an, ihre blauen Augen verblassten grau und der König wusste, dass sie diese Welt verlassen hatte. Er schloss ihre Augen und hielt ihr kühles wunderschönes Gesicht in seinen Händen und er weinte. Tränen der Liebe und der Trauer. All die Liebe und Wärme der Sommertage und der Nächte fielen von seinen Augen auf die kalte Oberfläche des Sees. Die Tiere des Waldes neigten ihre Köpfe zu ihrer Königin, die nun vergangen war und sie verschwanden in der Nacht. Aber der König weinte weiter. Seine heißen Tränen ließen etwas im See erwachen. Das Eis begann zu knistern und die Oberfläche brach. Der König hielt seine Königin fest. Dann sah er wie ihre Schwestern aus dem schwarzen Wasser auftauchten. Sie weinten ebenfalls.

‚Es tut uns so leid.‘ Sagte eine von ihnen. ‚Wir haben sie gewarnt, aber ihre Liebe war stärker. Wir hofften, dass ihre Liebe, eure Liebe, stärker sein würde und die Winde des Winters standhalten könnten, aber der Winter hat gewonnen. Wir erhofften all das Glück dieser Welt für euch, aber manchmal ist die Welt sehr grausam.‘

Der König nickte dankend.

‚Deine Tränen der Trauer haben uns empor gerufen. Unsere Schwester sollte in ihren geliebten See zurückkehren. Ihr zu Hause ruft sie.‘

Der König nickte erneut. Behutsam legte er seine wunderschöne Braut in die Arme ihrer Schwester.

‚Sie wird in ihrem blauen See Ruhe und Frieden finden.

Der König sah sie zum letzten Mal und wie sich eine Schneeflocke auflöste, so sank seine Königin in die Tiefe des Sees. Stille fiel über den König und das Schloss. Er stand auf und wandte sich ab. Schnee begann zu fallen. Die Welt war ruhig. Ein letztes Mal drehte er sich um und sah zum Schloss, in dem sie so glücklich zusammen gewesen waren. Er sah zum See, der so wunderschön war und zu den Ufern wo er seine goldene Königin im Frühling getroffen hatte, die nun nichts mehr als Erinnerung war. Der See war bereits wieder zugefroren. Der König wandte sich seinem Wald zu und verschwand zwischen den dunklen Bäumen und wart nie mehr gesehen.

Und wie sich Sommer in Winter verwandeln muss, so muss sich Winter in Frühling verwandeln. Das Leben kehrte in den Wald zurück, aber es war ein Trauriges erwachen. Der Geist des Waldes und der Zwergenkönig hörten von den Tieren was geschehen war und wurden still. Doch jedes Mal, wenn die Tiere oder die Seefrauen zum Schloss sahen, welches nun wie ein Grabmal an den Ufern stand, würden sie lächeln und sich an die schönsten Sommertage erinnern, die sie mit ihrem König und ihrer Königin verbracht hatten.

Von Generation zu Generation erzählten sie sich alle die Geschichte der Liebenden, die versuchten die Gesetze der Natur zu beugen, sich einander liebten wie niemand zuvor und im tiefsten Winter verloren.

Der König, der Riese des Berges, wurde nie wiedergesehen, denn sein Herz war für immer gebrochen und seine unsterbliche Seele würde nie wieder zum Leben im Wald zurückkehren können, denn er erinnerte sich immer, an seinen einen Sommer mit seiner Königin.

Schöne und glückliche Jahre kehrten in den Wald zurück, Liebe starb nicht, aber nahm neue Formen an und wuchs erneut. Doch der König und die Königin hatten diese Welt verlassen, denn tausend Sommer konnten nicht zurückbringen was eine einzige Winternacht geraubt. Und so waren Seefrau und Riese verschwunden, denn nichts auf dieser Welt währt ewig.

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