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Die Luft wird dünn für unsere jungen deutschen Heldinnen, denn diese Woche ging es darum, wer unter die Top 10 bei Germany’s Next Topmodel einziehen darf. Wochenlang hat Heidi, unsere allmächtige Königin der Unterwelt, einen Schicksalsfaden nach dem anderen durchgeschnitten und nun kann man sich auch langsam die Namen der unglücklichen Models merken. Eine unscheinbarer als die andere hat es so weit geschafft und diese Woche stehen große Aufgaben an. Selbst Herakles, der die zwölf Aufgaben Zeus bewältigen musste, würde hier nun schreiend davonrennen, denn Heidi hat sich in den letzten Wochen erst aufgewärmt. Jetzt geht der Kampf erst richtig los!

Die erste Aufgabe ist ein Casting, ein Job wird vergeben. Fünf Mädchen dürfen sich aufmachen, zur Höhle des nemeischen Löwen, oder sollte ich besser sagen, zum bayrischen Löwen, denn der Job ist das Gesicht einer bayrischen veganen Joghurtmarke! Ich will daran erinnern, dass das Thema dieser Staffel, immer noch Diversity ist, auf Deutsch, Vielfalt mit Persönlichkeit ausstrahlen.

Viele Mädchen sind diesem Thema schon zum Opfer gefallen, man erinnere sich an viele namenlose Gesichter junger Heldinnen, die nun tot im Fluss Styx in der Ewigkeit dahinfließen. Für diesen Job allerdings können einige Mädchen aufatmen, denn Diversity ist im schönen Bayern nicht gefragt. Es ist schließlich Bayern. Das ganze Casting ist das gefühlte schnellste Auswahlverfahren der ganzen Staffel. Überraschung, ein blondes weißes Mädchen wird für die bayrische Joghurt-Kette ausgewählt. Soulin, Sie erinnern sich, das syrische Flüchtlingsmädchen, die bei jeder Aufgabe sehr gut abliefert, ist nicht über die Auswahl des Kunden erfreut, aber vielleicht war sie noch nie in Bayern, vielleicht weiß sie nicht, welcher Typ Mädchen dort gefragt ist. Zumindest weiß sie es jetzt.

Lange Zeit unglücklich sein können die Mädchen, die den Job nicht bekommen haben, sowieso nicht. Die nächste Aufgabe steht schon an. In einem verlassenen Krankenhaus, in dem es angeblich spukt, eine tolle Kulisse, die an American Horror Story erinnert, werden die Mädchen in Schmetterlinge verwandelt. Christian Schuller ein ganz super toller berühmter Fotograph lichtet sie alle ab.

Gleich zu Beginn muss man sich allerdings fragen, ob die Kulisse wirklich notwendig war. Denn die Mädchen werden vor einem aufgebauten gelb-blauen Hintergrund fotografiert. Von der Krankenhausruine ist auf dem Foto nichts mehr zu sehen. Warum diese Location ausgewählt wurde, ist ein weiteres Mysterium, der viele Mysterien der Heidi Klum. Wir Sterblichen werden es nie wissen.

Die spezielle Aufgabe für dieses Fotoshooting ist die der Metamorphose. Falls Sie, werter Leser, mit Ovid’s Metamorphosen, sei es der Text oder Beispiele aus der bildenden Kunst vertraut sind, muss ich hier nichts erklären. Falls nicht, hier eine kleine Zusammenfassung: Metamorphosen, und besonders Ovid’s Metamorphosen sind Geschichten über Sterbliche, Halbgötter und Götter, die sich verwandeln oder gewollt und/oder ungewollt verwandelt werden. Die Verwandlung resultiert häufig in Tiere, Bäume, andere Pflanzen, so mancher wurde aber auch in ein Sternbild oder in ein Monster verwandelt. Sie erinnern sich vielleicht, vor einigen Wochen war Medusa bei Heidi in der Unterwelt zu Gast. Sie war eines dieser verwandelten Wesen.

Der römische Dichter schrieb diese wunderschönen Gedichte um Christi Geburt, es ist also schon lange her, allerdings sind sie noch immer so präsent wie eh und je. So spukte auch gestern Abend in dem verlassenen Krankenhaus in Berlin Ovid’s Geist umher. Was er dort allerdings erblickte, war wohl schlimmer als die tiefen Abgründe des Tartaros. Verzeihe uns Ovid, Heidi Klum und ProSieben wissen nicht welche Verbrechen sie begehen.

Die jungen Heldinnen werden von Göttin Heidi mit dem Zauber Ovids belegt und, nein sie verwandeln sich nicht in Bäume, sondern in Schmetterlinge. Es sind allerdings nicht irgendwelche Schmetterlinge, sondern Pappmaschee Kreationen von Schuller’s Ehefrau. Von der Muse geküsst, ist die Frau des Fotographen im Lockdown zur Künstlerin geworden und hat kleine und große Pappmaschee Schmetterlinge erschaffen, die die Kunstwerke von Kindergartenkinder ordentlich Konkurrenz machen könnten. Aber Heidi gefallen die Pappmaschee Schmetterlinge, denn sie weiß nichts über Kunst, und das ist vielleicht sogar gut so. Eifrig behängt sie ihre Kandidatinnen mit kleinen und großen Schmetterlingen.

Dann geschieht, was immer bei Germany’s Next Topmodel geschieht. Einige der Mädchen stellen sich sehr gut an und dabei kommen auch recht anständige Bilder zu Stande. Andere allerdings, die Götter des Olymps sind ihnen wohl nicht gut gestimmt, gelingt es nicht, sich in Schmetterlinge zu verwandeln.

Eines der Mädchen, ich glaube sie heißt Liliana, wird vom Fotographen noch mit einem extra Zauber belegt. Er meint es gut, er ermutigt sie: ‚Du! Du bist das Insekt! Das wunderschöne Insekt!‘

Sie probiert es, sie versucht Insekt zu sein, doch sie sieht wie Heidi das Gesicht verzieht, die das ganze Geschehen auf drei Meter Corona-Abstand genau beobachtet. Die Moiren nehmen schon die Schere in die Hand. Sie sind bereit der jungen Heldin den Schicksalsfaden durchzuschneiden. Schließlich gelingt es Schuller ein halbwegs anständiges Bild zu knipsen. Das Mädchen darf vorerst aufatmen.

Am nächsten Tag steht die Entscheidung an. Die Mädchen müssen heute Haute-Couture laufen. Haute-Couture Mode sind maßgeschneiderte Kleider aus sehr teuren Stoffen. Das zu Hause der Haute- Couture ist Paris und die bekannten Modemarken: Chanel, Dior, Balmain und andere. Die Kleider, in denen unsere deutschen Mädchen laufen dürfen, haben von Paris allerdings noch nie etwas gesehen, vielleicht gehört, aber das bezweifle ich auch stark.

Die Kleider sind aus Plastik und sind berühmten Gemälden nachempfunden. Wer sich in der Kunst auskennt, kann wage erkennen, dass ein Mini-Kleid einem Klimt nachempfunden ist. Andere haben Ähnlichkeit mit Bildern von Picasso, Van Gogh und Monet. Insgesamt wirkt der Haufen wie eine Vergewaltigung an der Kunst. Aber Heidi fällt dies nicht auf, denn sie kennt sich, den Göttern sei Dank, mit Kunst nicht aus.

Dazu werden den Mädchen noch Luftballons an den Kopf gesteckt und mit Haaren beklebt. Es hört sich wieder mal eigenartig an, aber so hat es sich zugetragen in der Modeunterwelt von Heidi Klum. Um noch ein klareres Bild zu zeichnen: Es wirkt, als ob Heidi in das Musée de l’Orangerie in Paris, ins Belvedere in Wien und im Guggenheim in Venedig eingebrochen ist, einige Bilder entwendet und dann, wie ein Kindergartenkind, die Bilder zerschnitten und als Kleider notdürftig zusammengenäht hätte. Zum Glück hat sie das nicht gemacht. Ich bezweifle auch, dass Heidi Klum weiß in welchen Museen sich die Originale dieser kunstvergewaltigten Haute-Couture Kleider befinden.

Zu Gast ist diese Woche Miss Fame, eine amerikanische Drag Queen. Sie ist wohl die einzige Kunst, sozusagen lebende Kunst, die heute Teil der Show ist. Ihr wird die Aufgabe zu Teil den Mädchen beizubringen, wie man Haute-Couture läuft, sprich, wie man sich dramatisch in Szene setzt. Man merkt allerdings schnell, dass Miss Fame eigentlich gar nicht hier sein will. Doch auch in Amerika hat die Pandemie Auftritte von Drag Queens verhindert. Deswegen nimmt man was man kriegen kann. Auch wenn das ein Ausflug in die deutsche Modeunterwelt Heidis‘ ist.

Nachdem sie die ersten Mädchen Probe laufen sieht, erkennt sie schnell mit was sie es hier zu tun hat. Doch sie ist eine Drag Queen. Sie ist professionell: The Show Must Go On! Freundlich, aber nicht sehr begeistert, sagt sie zu jedem der Mädchen: ‘I am so excited to see you on the runway later.‘ Bei einem anderen Mädchen sagt sie ausdruckslos: ‚There is real excitement there. Can’t wait to see it on the runway.‘

Zum Glück verstehen die meisten unserer deutschen Heldinnen nur wenig Englisch. Begeistert hüpfen sie mit ihren Ballonfrisuren auf und ab und danken der Drag Queen für ihre aufmunternden Worte.

Und schon gleich wird es ernst. In einer kunstvergewaltigen Haute-Couture Show, die nichts mit Haute -Couture aus Paris zu tun hat, laufen die Mädchen vor Heidi und Miss Fame auf und ab. Dramatisch posieren sie vor ihnen. Sie strecken und recken sich als würde ihr Leben davon abhängen und irgendwie tut es das ja auch.

Nach fast drei Stunden Sendezeit sind alle Kameras wieder mal auf eine perfekt ausgeleuchtete Heidi Klum gerichtet. Sie ist perfekt. Sie ist Heidi. Mit vorgespieltem Mitgefühl spricht sie ihren Schicksalssatz: ‚Es tut mir leid, ich habe heute leider kein Foto für dich.‘

Der Satz galt Larissa, sie ist eines der ‚curvy‘ Models. Denn Plus-Size Model sagt man jetzt nicht mehr, das ist nämlich diskriminierend. Curvy ist da ein viel netteres Wort. Es erinnert nicht an Übergröße oder Körpergröße und reimt sich mit Curry. Und das ist ein sehr leckeres Gericht, das jeder gerne isst und curvy Models bestimmt auch. So viel wieder Mal zu Diversity in dieser Staffel. Erneut wurde einem Diversity Model, ein curvy Model der Schicksalsfaden durchgeschnitten.

Aber sie ist hart im Nehmen und weint fast gar nicht. Das Mädchen, das am Ende weint, ist Ana. Sie ist das blonde weiße Mädchen, die am Anfang der Woche den bayrischen Joghurt Job bekommen hat. Sie weint, weil sie die beste sein wollte und am Ende war das dann doch wieder Soulin, da unserer Syrierin beim Fotoshooting und beim Haute-Couture Runway so überzeugt hat.

Aber so ist das nun mal. Das Modelleben ist nicht immer bayrisch, aber dafür immer gnadenlos. Somit steht es fest. Zehn junge Mädchen sind in den Top 10 von Germany’s Next Topmodel by Heidi Klum. So langsam merke ich mir die Namen der verbliebenen unglücklichen Kandidatinnen, nur um sie spätestens, einen Tag nach dem großen Finale im Mai, wieder alle zu vergessen. Aber so ist das Leben. Es ist eine griechische Tragödie und wir sind alle mittendrin. Heidi hab Erbarmen!

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