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Falls Sie den Artikel, Heidi Klum, Königin der Unterwelt, (der erste Akt) noch nicht gelesen haben, empfehle ich zuerst diesen zu lesen, bevor sie die Fortsetzung, den zweiten Akt, lesen.

Der Titel, ich weiß, werter Leser, könnte auch die Überschrift eines sehr kreativen Pornos sein, aber nein, es ist, was sich in der gestrigen Folge von Germany’s Next Topmodel by Heidi Klum abgespielt hat. Die zweite Folge der Casting Show in der Unterwelt der Modeleichen, regiert von niemand anderen als Persephone, hier zu Lande auch bekannt als Heidi Klum, beginnt recht langweilig.

Die jungen auserwählten Heldinnen, ich glaube es sind noch 24 Stück, werden in einer ganz persönlichen, für sie eigens hergerichteten Folterkammer, im Tartaros untergebracht. Es wirkt wie ein mit Ikea möbliertes Lagerhaus, dass für die nächsten drei Monate das zu Hause der sogenannten Models sein wird. Überall gibt es versteckte Kameras, wo die Mädchen 24 Stunden, sieben Tage die Woche, beobachtet werden können. Denn Privatsphäre gibt es hier keine, aber das wussten die Mädchen. Wenn man bei ProSieben, Gott der Unterwelt, einen Vertrag unterzeichnet, dann hat man nun mal Körper und Seele verkauft und bekommt dafür mittelmäßigen medialen Instafame. Was will man mehr.

Sehr hübsch sind auch all die Bilder, die an der Wand hängen. Es sind Portraits von niemand anderem als der einen, wahren, großartigen, einzigartigen Heidi Klum. Ob man in der Gemeinschaftsküche sitzt, und nicht isst, weil das sollte man als Model unterlassen, außer es ist einem das glückliche Schicksal zu Teil geworden ein Plus Size Model zu sein, dann darf man jederzeit alles essen und immer brav in die Kamera schauen und bestätigen, wie glücklich man beim Essen ist. Oder ob man im Wohnbereich sitzt, oder am Klo beim Scheißen, überall blickt einem Heidi entgegen, entweder nackt, in Haute- Couture oder eine Nahaufnahme ihres unsterblichen Gesichtes. Sie ist überall. Denn sie ist schließlich die bekannteste Frau Deutschlands und das sollen die Mädchen beim Aufwachen, beim Essen, beim Nicht-Essen, beim Scheißen und beim Einschlafen sehen und sich immer daran erinnern. Sie ist unsere Königin.

Das kommt auch bei unseren jungen Heldinnen alles sehr gut an. Man darf nicht vergessen, sie sind alle sehr leicht zu beeindrucken, beziehungsweise, so steht es wahrscheinlich im Vertrag mit ProSieben, dass jedes Mädchen alle halbe Stunde, ideal wäre alle 15 Minuten, schreiend, sich freuen muss, dass gerade irgendetwas passiert ist. Es ist eine effektive Idee, denn wie die Kommentare der Mädchen zeigen, funktioniert es: „Boah sieht das schön aus! Alles passt perfekt zusammen. Das Loft ist sooooooo heftig! Wie eine Barbie Villa! Überall Heidi Poster! Ich kann Heidi guten Morgen sagen. Heidi Hallo. Heidi Gute Nacht!„

Freuen wir uns doch einfach, dass diese jungen Mädchen so leicht zu beeindrucken sind und dass sie sich so sehr freuen, denn die Freude junger griechischer Helden war immer von kurzer Dauer. Schon bald wird die Königin der Unterwelt weitere Schicksalsfäden durchtrennen.

Schon nach der ersten Nacht werden sie unsanft geweckt. Automatisch wird das Licht eingeschalten, der große Flachbildschirmfernseher geht von selbst an und die Mädchen werden von gleißendem weißem Licht geblendet. Sie haben es sicher schon im Gefühl lieber Leser, niemand anderes als Heidi Klum strahlt den Mädchen perfekt ausgeleuchtet entgegen und schreit sie an: „Aufwachen! Guten Morgen liebe Mädchen! Wuhu! Aufstehen! Aufstehen! Seid ihr immer noch nicht wach? Ein neuer Tag beginnt! Und die erste Aufgabe der Woche!„

Ein wenig verwirrt und verschlafen kämpfen sie sich aus den Betten, doch sind sie sofort erfreut, dass sie mit einem persönlichen Videowecker von Heidi Klum aus dem Schlafe Morpheus‘ gerissen werden. Ich persönlich bin darüber erfreut, dass George Orwell nicht mehr am Leben ist und nicht mehr miterleben muss, dass sein Albtraum zum Traum junger Mädchen im 21 Jahrhundert geworden ist. Die Fiktion 1984 ist nun die Realität. Big Heidi is watching you. Doch so ist das in der Modelunterwelt. Hier kann Fiktion, wie durch Zauberei zur Wirklichkeit werden.

In dem Video stellt Heidi den Mädchen das Thema dieser Woche vor: „Sei eine starke junge Frau! Sei ein Vorbild! Sei selbstbewusst!„

Eines der Grundessenzen einer griechischen Tragödie muss hier noch erklärt werden, denn das schlimmste ist, dass sich die Tragödie immer auf ein Neues wiederholt. Die Menschheit lernt nicht aus ihren Fehlern. Die griechischen Helden begehen immer die gleichen Fehler und genauso (ich möchte nur vorwarnen), wird es diese Woche auch sein, so wie es letzte Woche schon bei Germany’s Next Topmodel war. Die Tragödie muss sich wiederholen. Sie kann gar nicht anders. Sonst wäre es keine Tragödie.

Die Mädchen haben das Thema verstanden, so weit so gut, die Ausführung wird allerdings schwieriger sein. Wieder müssen sie sich einen Balanceakt stellen. Sie müssen eigentlich keine Stärke oder Selbstbewusstsein haben. Solange sie es vorspielen oder so tun als ob, ist alles in Ordnung. Was sie niemals machen dürfen ist wirkliche Stärke, Selbstbewusstsein und Charakter zeigen. Denn dann haben sie schon verloren. Allerdings wissen sie das nicht und das Spannende ist, dass es der durchschnitts-ProSieben Zuschauer auch nicht weiß und am Ende nichts anderes tun kann als Heidi’s Entschluss zuzustimmen. Das ist die wahre Tragödie Deutschlands, aber dazu später mehr.

In den nächsten zwei Stunden passiert eigentlich nichts Spannendes. Die Mädchen müssen lernen, selbstbewusst und stark in High Heels zu laufen. Später müssen die Mädchen noch ein Fotoshooting absolvieren. Auch hier baut sich keine Spannung auf, deswegen ruft Persephone nach Verstärkung.

Die Unterwelt beherbergt viele Monster, nur wenige haben wirklich große Berühmtheit erlangt, eine von ihnen ist Medusa, deren Blick jeden Sterblichen in Stein verwandelt, unbeweglich, für immer gefangen! So beschwört Heidi Medusa herauf. So wie Perseus müssen die jungen Heldinnen den Blick der Gorgone standhalten oder sie werden für immer erstarren.

In Österreich ist Medusa unter einem anderen Namen bekannt. Dort heißt sie Marina Hoermanseder. Doch schon lange verwandelt sie niemanden mehr in Stein, denn das ist sowas von 2500 Jahre vor Christus, nein, heute verwandelt sie ihre Opfer in Leder, Latex, Plastik und Gummi Statuen. Man würde meinen es ist ein beweglicheres Material als Stein, aber so wie Frau Hoermanseder es macht, es ist gar eine Kunstform, schafft sie es junge starke, selbstbewusste Frauen in unbewegliche Puppen zu verwandeln.

Und wie Medusa weltberühmt zur Zeit des Königreichs Seriphos war, so ist auch unsere Medusa heute weltberühmt. Sie verwandelt junge, starke unabhängige Frauen in Leder und Latexpuppen. Niemanden geringerer als Rihanna, Jennifer Lopez, Taylor Swift oder Lady Gaga. Jedoch, ihr Zauber hat seine Grenzen. Denn sie lassen sich nur in Plastikpuppen in Musikvideos und zu glamourösen Auftritten verwandeln. Für das richtige Leben ist ihnen das dann auch zu unbequem. So wie Medusa wird Marina Hoermanseder immer nur gebraucht, wenn jemand körperlich eingeschränkt werden soll. Sobald man diesem menschenfeindlichen Zauber wieder entfallen ist, dankt man Medusa für ihre Kreativität und kehrt in die Wirklichkeit zurück, in der die Designs der Medusa keinen Platz haben.

Mit was dürfen sich die Mädchen gegen den alles erstarrenden Blick der Medusa zur Wehr setzen? Perseus hatte ein Schild, eine Tarnkappe und ein Schwert und so hat er es geschafft Medusa den Kopf abzuschlagen. Den Richtlinien von ProSieben zu folge und den Menschenrechten der Europäischen Union ist das allerdings leider nicht erlaubt. Vielleicht könnte man da mehr machen, wenn Frau Hoermanseder ein Flüchtling wäre. Da nimmt man es mit Menschenrechten nicht so genau. Aber die Moiren haben nun mal entschieden, dass Frau Hoermanseder als weiße, privilegierte, sexistische Frau auf die Welt kommt. Da kann man ihr leider nicht so einfach den Kopf abschlagen.

So müssen unsere Heldinnen noch mutiger sein als Perseus es jemals war. Sie treten dem Monster ohne Waffen entgegen und sie verfallen dem Zauber der Medusa sofort. Sie kleidet sie in enge, unbewegliche Kostüme, in denen man Balance halten muss, um nicht umzufallen. Denn, wenn man das täte, hat man nicht nur Frau Hoermanseder stark erzürnt, sondern auch schwere Kriegsverletzungen erlitten. Die Kostüme sind nämlich so einengend, dass man mit Beinen und Händen den Sturz auf den Boden nicht abfedern könnte. Doch auch, wenn eine hinfallen würde, es wäre nicht so schlimm. Man hätte ja noch 23 andere Kandidatinnen am Start. Es ist schließlich ein Wettbewerb. Und irgendwie muss man ja aussortieren.

Während dem Fitting ist Medusa höchst persönlich dabei. Denn sie verwandelt die Mädchen schließlich in unbewegliche Lederstatuen. Schon dort halten einige der Heldinnen den Zauber der Medusa nicht stand. Medusa beschwert sich sogleich, dass eines der Mädchen nicht im Stande ist, sich in dem unbeweglichen Kostüm zu bewegen und sagt ihr: „Egal, was du trägst, du musst dabei Stärke ausstrahlen. Sei immer stark und glücklich. Auch wenn du es nicht bist. Und jetzt geh zum Make-Up. Lass dich schminken, dann wirst du gleich happy!„

Die Weisheit der Medusa ist unendlich. Wüssten doch Psychologen und Therapeuten darüber Bescheid! Wenn man unglücklich ist, muss man sich nur schminken und alles Leid der Welt ist vergessen! Doch nicht jeder kann so allwissend sein, wie Marina. Nicht jeder weiß um die großen Geheimnisse der Modelunterwelt Bescheid. Deswegen irren die meisten Sterblichen immer noch in Wahnsinn und Traurigkeit umher. Marina, wo bist du? Komm, erlöse uns von unserem Komfort und verwandle uns in geschminkte Leder und Latex Statuen. Denn wenn man sich nicht mehr bewegen kann, kann man auch nur noch sehr wenig fühlen. Liegt darin vielleicht die Antwort auf all unserer Probleme?

Eines der anderen Mädchen stimmt Medusa freudig und aufgeregt zu. Sie hat die Erleuchtung gefunden, denn sie sagt, nachdem sie den Balanceakt am Laufsteg von Bewegung und Unbeweglichkeit gemeistert hat: „Ich habe mich in dem Moment wohl gefühlt weils geil aussieht. Im Kleid mein ich. Auch wenns voll weh tut und ich mich nicht bewegen kann. Aber das soll so sein. Als Model. Als starke Frau.„

Nach diesem Statement könnte man sich fragen, ob Heinrich VIII nicht doch vielleicht recht hatte und dass manche Menschen ohne Kopf besser dran sind, da dieser sowieso keine entscheidende Relevanz für den restlichen Körper hat. Vielleicht denkt so mancher ohne Kopf gar besser? Leider gibt es in Deutschland und in Österreich keine Scharfrichter mehr, die dies austesten könnten. Jene wurden mit Heidi Klum und Marina Hoermanseder ausgetauscht. Ich überlasse es an dieser Stelle jedem selbst, ob wir seit Zeiten Heinrich’s VIII eine Verbesserung oder Verschlechterung erlebt haben.

Nach dieser Bestätigung fühlt sich Medusa nur noch bestärkt und alle Mädchen verfallen ihrem Zauber und laufen unbeweglich beweglich auf und ab, bis Heidi eine Entscheidung trifft. Es sieht sehr eigenartig aus. Die langen Beine der jungen Mädchen machen kurze vorsichtige Schritte. Viele der jungen Frauen können auch ihre Hände nicht bewegen, da diese im Kostüm stecken. Viele schwanken gefährlich, doch keine fällt hin. Die wenigen die es können, versuchen mit ihren Armen ihr Gleichgewicht zu halten und spreizen ihre Finger in gar eigenartige Entstellungen, um ihr Gefühl der Stärke und ihr Selbstbewusstsein auszudrücken. Das was alle von ihnen versuchen ist in ihrem Gesicht kein Zeichen der Schwäche zu zeigen. Denn sie tragen Kostüme, die sie in starke und selbstbewusste Lederpuppen verwandelt haben, in denen sie unbeweglich beweglich wunderschön sind!

Eine der Heldinnen wehrt sich allerdings gegen den Zauber der Medusa. Es ist das Mädchen, welches von Geburt an hörgeschädigt ist. Sie hat in ihrem Leben sicher schon viel durchgemacht. Sie wächst in einer Welt auf, die nicht für sie gemacht wurde. Sie muss sich in einer Welt zurechtfinden, in der sie nichts hört, Lippen lesen muss und kaum jemand Gebärdensprache spricht. Stellen sie sich vor, werter Leser, sie würden in einem Land leben, in dem sie kaum jemanden verstehen und niemand sie versteht. Dieses junge Mädchen musste wirklich stark sein und ihren ganz eigenen Weg im Leben meistern. Dazu gehört auch ganz bestimmt eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Stärke und Selbstbewusstsein, sie hat beides, das Thema dieser Woche, doch es ist genau das, was die Königin der Unterwelt nicht sehen will. Sie will Gefügigkeit. Und was soll man mit Authentizität, mit Wirklichkeit, wenn man anstelle dessen Unbeweglichkeit und Unwirklichkeit haben kann.

Das junge Mädchen hat gewagt zu fragen:„Ich fühle mich in dem Kleid nicht wohl. Das Kleid ist obenrum sehr locker. Da kann man meinen Busen sehen. Das möchte ich nicht. Kann man das ändern?„

Medusa, schäumt vor Wut, wie kann sie es wagen, ihren mächtigen Zauber zu widerstehen? Halte ein, beweg dich nicht, sei unbeweglich beweglich! Dann rutscht der Busen auch nicht raus! Als Model hast du das zu tragen, was man dir gibt und keine Widerrede! Ob du dich wohl fühlst oder nicht ist hier jedem egal. Solange das Kleid schön präsentiert wird!

Nach ihrem unbeweglichen beweglichen Catwalk auf der Bühne erkennt Heidi das Problem sofort. Das Mädchen hat sich nicht wohl gefühlt und ihr Unwohl laut ausgesprochen. Sie hat wahre Stärke und Selbstbewusstsein gezeigt. Das geht nicht! Die Königin der Unterwelt sieht sie traurig an und sagt dem tauben Mädchen ins Gesicht:„Ich glaube, du hast es selber gefühlt. Du hast nicht das richtige Selbstbewusstsein und die Stärke in dir, die wir suchen um Germany’s next Topmodel zu werden.„

Heidi hält einen Moment inne, um Spannung aufzubauen, sie neigt den Kopf leicht zur Seite und zieht ein trauriges Gesicht, um Mitleid auszudrücken. Sie weiß genau, die Kamera zoomt in diesem Moment gerade auf sie ein! Und schließlich seufzt sie und durchtrennt den Schicksalsfaden der jungen Heldin mit den Worten:„Es tut mir leid, ich habe heute leider kein Foto für dich.„

Die gefallene Heldin hat sie nicht verstanden, denn sie ist ja taub, dass ist Heidi aber egal, denn im Vertrag mit ProSieben steht, dass sie ihren berühmten Satz mindestens einmal pro Folge sagen muss, egal ob ein Mädchen sie versteht oder nicht. Aber ihr Dolmetscher übersetzt es ihr schnell in Gebärdensprache, das Mädchen nickt, und fast erleichtert verlässt sie unbeweglich beweglich in ihrem Kostüm den Catwalk. Befreit von den Ketten der Unterwelt und dem Zauber der Medusa kehrt sie erleichtert und voller Vorfreude nach Hause zu Freund und Familie zurück.

Denn zwei Wochen Germany’s Next Topmodel reichen aus, um einer jungen starken und selbstbewussten Frau den Traum eine ProSieben Berühmtheit zu werden, auszutreiben.

Doch alle anderen Mädchen sind dem Zauber der Persephone und der Medusa tief verfallen. Aber so ist das mit der griechischen Tragödie. Sie muss sich wieder und wieder wiederholen. Sie wird auch nächste Woche wieder zuschlagen, wenn es wieder heißt: Nur eine kann Germany’s Next Topmodel werden.

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