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Falls Sie die vorherigen vier Teile noch nicht gelesen haben, empfehle ich dies zu tun bevor Sie den fünften Teil der Klum Saga lesen. Die vier ersten Teile sind im Blogfeed.

In Deutschland war wieder einmal Donnerstag und Donnerstag ist nicht mehr der Tag von Thor, dem Donnergott, nein, er sollte umbenannt werden in Heiditag. Neue Götter, lösen alte Götter ab, wie bei der Serie American Gods nur lange nicht so spannend. Und wie jeden Heiditag, stellt sich die Königin der Unterwelt, unsere Persephone, unsere Unsterbliche, unsere Ausgeleuchtete die Frage aller Fragen: Wer wird Germany’s Next Topmodel?

Es ist eine kurze Frage, worauf eine sehr, sehr lange Antwort folgt. Gestern Abend konnte man zum 15. Mal in über drei Stunden Heidi Klum zusehen, wie sie junge Mädchen foltert. Das wäre so, als würde man fünf Mal hintereinander die Herr der Ringe Trilogie ansehen. Mittlerweile denke ich mir, dass dies vielleicht eine bessere Beschäftigung in den letzten 15 Wochen gewesen wäre, aber jetzt ist es, wie bei einer griechischen Tragödie, zu spät. Alle Hoffnung ist verloren, sieben Kandidatinnen sind noch im Rennen. Wer sie sind ist egal.

Zu Beginn steht wieder, Sie können es sicher erahnen, ein Fotoshooting an, und zwar mit einem ganz supertollen Fotographen, den niemand kennt. Aber berühmt ist er. Heute hat sich Heidi etwas ganz besonderes ausgedacht, heute entführt sie ihre Sklavinnen in eine begehbare Gefriertruhe in der Minus zehn Grad herrscht. Wieder scheint die Modeunterwelt zu gefrieren als zu erhitzen. Die Kulisse wirkt wie in einem Porno, sehr billig, Plastikeis und Plastikeisbären stehen im Raum herum, aber wenigstens ist die Kälte echt, denn die jungen Mädchen zittern.

Heute ist die Aufgabe eigentlich eine leichte. Wer schafft es, in galaktisch sexy silbernen Kostümen, als wären sie außerirdische Eisprinzessinnen in unter acht Minuten ein sexy Bild mit dem Male-Model zu knipsen. Für die jungen Heldinnen besteht Gefahr sich eine Blasenentzündung zu holen und für die jungen Male-Models besteht das Risiko eine Nebenhodenentzündung zu bekommen. Aber das ist egal, denn es geht um Fashion! Es geht um nackte Haut!

Ein bisschen erinnert das ganze auch an die romantische Eiskulisse aus Star Wars Episode V, Das Empire schlägt zurück, in dem die Rebellen zu Beginn des Filmes auf einem Eisplaneten gegen das Empire kämpfen. Eine ganz berühmte Scene im Film ist jene, in der Han Solo, Luke Skywalker vor dem Erfrieren rettet, in dem er ein einheimisches Tauntaun-Reittier aufschlitzt und sich beide vor der Kälte retten. Doch keine Tauntaun-Reittiere sind zu Gast in der heutigen Eishölle und was will man schon mit Darth Vader, wenn man Heidi Klum hat? Sie zeigt keine Gnade in der Eiswüste. Keine Tauntaun-Reittiere kommen den frierenden Mädchen zur Hilfe. Nur die schwarzen Plastikaugen der Plastikeisbären blicken die Mädchen ausdruckslos an. Sie starren ausdruckslos zurück. Auch den Male Models ist recht kalt, aber es hilft nicht zu frieren. Die Stimme des Imperators ertönt im Hintergrund, wenn sich die jungen Mädchen am Eis strecken und recken: ‚Das muss jetzt heiß aussehen! Heißer! Es ist nicht heiß genug!‘

Die Mädchen verzweifeln, denn es ist ja eben nicht heiß, es ist ja nur eiskalt! Jedes Mal wird Heidi’s Stimme schriller, denn auch als Göttin scheint ihr in der Eiswüste kalt zu sein. Ihr eigener Zauber wendet sich gegen sie, obwohl sie sogar einen Mantel anhat. Nach einer kurzen Ewigkeit ist es geschafft! Alle Mädchen sind fast erfroren, aber eben nur fast, denn wir sind immer noch bei Germany’s Next Topmodel und noch nicht bei den Hunger Games.

Und so geht es schleppend weiter und dann passiert wenigstens etwas Spannendes. Denn ein Stargast ist zu Besuch. Und nicht nur irgendjemand, nein es ist Wolfgang Joop, der in die Modeunterwelt hinabgestiegen ist, um die Körper der Mädchen zu bewerten. Er war schon mal in der Modeunterwelt, doch nicht in Fleisch und Blut, nein, seine Seele ist schon mal hier heruntergefahren, als er an Altersschwäche gestorben ist. Doch damals hatte er mit der Königin der Unterwelt und Hades einen Vertrag unterzeichnet. Er wird wieder zum Leben erweckt, aber nur unter der Bedingung, dass er jedes Jahr Heidi dabei hilft ein Topmodel zu finden. Einen neuen Körper, beziehungsweise, einen zusammengeschnittenen Körper bekommt er auch dazu!

Denn es graust, meine lieben Leser, es graust einen sehr, wenn man Joop erblickt. Er ist ein Auferstandener, er war ein Titan der Modewelt, doch wie Kronos, hat man ihn zerstückelt und wieder zusammengesetzt. Wie Lord Voldemort sucht er nach dem Elixier des Lebens, wie Sauron sucht er nach dem einen Ring der Macht, um seine Kräfte wiederherzustellen, wie Emperor Palpatine sucht er nach der dunklen Seite der Macht, um seinen Körper wieder auferstehen zu lassen. Doch die Wirklichkeit ist nicht nur grausam zu unseren jungen Heldinnen, sie ist auch grausam zu unseren Göttern und Titanen. Joop altert und er altert nicht mit Würde.

Er ist mit sich selbst nicht so im Reinen wie Lord Voldemort, der sein bleiches, schlangenähnliches Gesicht akzeptiert. Er ist nicht so weise wie Sauron, der sein feuriges Outfit gut zur Geltung bringt. Ihm sind innere Werte nicht so wichtig, wie Emperor Palpatine, dem es nur um die Stärke eines Charakters geht, solange man an die dunkle Seite der Macht glaubt, ist ihm Aussehen egal. Joop war auch nicht so schlau wie Darth Vader, der sich einfach eine schicke schwarze Maske aufgesetzt hat, um sein verbranntes Gesicht zu verstecken. Nein! Joop existiert in der Realität und die ist grausam. Joop’s Zauber ist Botox und Lifting und dieser Zauber ist der Seine.

Sein leicht schiefes Gesicht wirkt aufgedunsen, die Lippen verschnitten, glänzen wie Nacktschnecken in seiner Fratze. Wenn er den Mund zum Reden aufmacht, ist das eigentlich der einzige Gesichtsausdruck, den man erahnen kann, denn alle seine Muskeln sind gestraft, geliftet. Es ist eine Maske vor der Lord Voldemort und Sauron flüchten würden. Er begafft die jungen Mädchen und sie knien nieder vor dem großen Kronos. Es gelüstet ihn nach ihrem jungen Fleisch, das er zum Leben braucht. Denn unser zerstückelter Kronos braucht Opfergaben, um seinen fauligen Körper am Leben zu erhalten. Und die bekommt er einmal im Jahr von Heidi, Königin der Unterwelt, serviert.

Denn Joop hat wie Voldemort, Sauron und Palapatine den Weg der Ewigkeit gewählt. Er ist Kronos! Er braucht junge Seelen, die alles für ihn tun. Und unsere jungen Heldinnen tun es!

In der letzten Aufgabe dieser Woche müssen sich die jungen Mädchen tanzend vor Heidi und Joop ausziehen. Begleitet werden sie von einem Tänzer. Zwischendurch sagt Joop ein, zwei Sätze. Man versteht ihn allerdings nicht, denn die Schrauben in seinem Kiefer übertönen ihn. Doch eine Sache versteht man. Zu Beginn philosophiert er ganz laut über Heidi Klum und Germany’s Next Topmodel. Er sagt: ‚Heute in der Fashion Welt mögen wir Frauen, die für etwas stehen. Und Heidi ist da unsere größte Botschafterin‘

Nun muss man erst einmal Luft holen, in der Zwischenzeit spritzt sich Joop noch etwas Botox. Dies ist natürlich eine große Aussage, eine über die man viel Nachdenken kann. Für was stehen Frauen in der Modewelt denn heute, im Jahr 2021? Und warum ist Heidi da unsere größte Botschafterin? Zum einen, dürfen Sie nicht vergessen, das Thema dieser Staffel ist immer noch Diversität, also stehen Frauen in der Fashionwelt bei Germany’s Next Topmodel für einen Leidensweg. Sie müssen sogar dafürstehen, denn schön sein reicht heute nicht mehr. Man muss gelitten haben, um schön zu sein. Unsere bestehende Gesellschaft muss junge Mädchen auf ihrem Weg zum Topmodel verurteilen und beurteilen. Zwischendurch gespieltes Mitleid haben. Und so wie in der heutigen Folge am besten fast nackt. Denn Jesus hing schließlich auch nur in Unterwäsche an einem Kreuz und ist für die Sünden der Menschen gestorben. Wie soll es 2000 Jahre später anders sein? Heute müssen eben junge Mädchen, fast nackt, den Publikumstot erleiden, um für die Sünden Deutschlands zu sterben.

Aber warum ist dann Heidi Klum deren größte Botschafterin? Sie ist nicht vielseitig. Sie ist ein schönes deutsches, blondes, blauäugiges Mädchen, wie man es sich in Deutschland wünscht. Noch dazu ist Heidi keinen bekannten Leidensweg gegangen. Sie sagt schließlich immer selbst, sie schreit es gar in den Raum: Das macht so viel Spaß hier! Habt ihr Spaß? Ich habe Spaß!

Aber vielleicht ist sie genau deswegen Deutschlands größte Botschafterin und der Fashionwelt. Sie steht für die Erinnerung der Vergangenheit. Sie erinnert uns an die gute alte Zeit, in der Frauen nur nach ihrem Aussehen bewertet wurden. Denn ist das nicht die Essenz einer jeden Folge von Germany’s Next Topmodel. Die Diversität ist immer schnell vergessen, nachdem die Mädchen ihre Kleider ausziehen und von einer alten weißen Frau und alten weißen Männern bewertet werden. Jedes Jahr versucht Germany’s Next Topmodel und ProSieben eine neue Botschaft zu übermitteln: Es geht um innere Werte, schön sein ist nicht alles, es geht um Persönlichkeit, um Ausstrahlung, um Kampfgeist und dieses Jahr eben um Diversität.

Aber der krampfhafte Versuch sich jedes Jahr auf ein Neues zu erfinden und die gleiche Geschichte zu erzählen ist wohl die wahre, die versteckte Botschaft bei Germany’s Next Topmodel. In Fashion geht es um äußere Schönheit und Trends. Und der diesjährige Trend ist Diversität. Und am besten verkauft sich dieser Trend, wenn man wenig anhat. Generell haben die Mädchen in den letzten Wochen mehr Mode ausgezogen als sie eigentlich präsentiert haben.

Nächstes Jahr wird es einen anderen Trend geben, man nennt ihn dann vielleicht ‚Charakter zeigen‘ oder ‚bringe deine innere Schönheit nach außen‘. Naja, letzteres ist wahrscheinlich ein zu langes Thema, aber da fällt ProSieben sicher noch etwas besseres ein. Aber diese Themen sind nun mal immer nur schöne glitzernde Kostüme, die man jeder Staffel anzieht. Denn, und um Lisa Eckhart zu zitieren: ‚Das Problem mit dem Modelbusiness ist das Frauen dort ihren Körper verkaufen.‘ Und Heidi Klum macht seit sechzehn Jahren mit jungen Frauen, eigentlich jungen Mädchen, daraus einen Fashiontrend und ganz großes Geschäft.

Dies ist die eigentliche Botschaft, die wir in jeder Folge sehen. Joop, unser zerstückelter Kronos, fordert am Ende der Folge dann wenigstens noch Gleichberechtigung. Die männlichen Tänzer, die um die fast nackten Mädchen tanzen, sollen doch jetzt bitte ihre Shirts ausziehen. Unkontrolliert rinnt ihm Sabber am Maul entlang. Nehmen wir es ihm nicht übel, denn den Speichelfluss kann er nicht kontrollieren. Alle seine Nerven sind betäubt.

Und so geht Deutschland, so gehen wir, den Weg der Ewigkeit mit der Königin der Unterwelt und Kronos weiter. Denn es wird nie aufhören. Das ist ja die griechische Tragödie an der ganzen Sache. Man soll eigentlich wegschauen, aber man kann eben nur hinschauen, weil es die ganze Zeit weiter und weiter passiert. Heidi setzt ihre Beauty Standards durch und junge Mädchen werden folgen. Aber bitte nur in sexy Unterwäsche. Wer will denn heute in der Modewelt noch Mode tragen, wenn man sie auch ausziehen kann.

Ach ja, irgendein Mädchen wurde von Heidi Klum dann auch wieder nach Hause geschickt. Sie durfte sich verabschieden und am wichtigsten, sie durfte sich wieder Kleidung anziehen. Doch für sechs unserer Heldinnen wird es nun richtig ernst. Bald steht das Finale an! Die Moiren werden schon bald endgültig entscheiden, welches der Mädchen es am meisten wollte und sich am häufigsten entkleidet hat. Doch wer das wird, ist eigentlich egal, denn der Weg der Ewigkeit in der Modeunterwelt muss weitergehen, so wie sich Joop die nächste Botox Spritze ins Gesicht jagen wird. Und über allem wird unsere allmächtige Heidi walten! Nur sie ist unsere Konstante. Sie ist unsere Sonne, an der wir uns allen die Augen ausbrennen. Sie ist Deutschlands größte Sünde.

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